Die Religionen Tibets und der Mongolei (Giuseppe Tucci)

34,00 

von Giuseppe Tucci und Walther Heissig
Aus der Reihe „Die Religionen der Menschheit” (Band 20)

Das die Religionen Tibets und der Mongolei in einem gemeinsamen Band behandelt werden, hat seinen guten Grund. Beide Länder waren bis in die jüngste Zeit hinein trotz aller Verschiedenheit im einzelnen jahrhundertelang durch eine gemeinsame Kultur geprägt, die Kultur des sogenannten Lamaismus. Diese Form des Buddhismus ist zwar in Tibet entwickelt und von dort in die Mongolei exportiert worden, hat aber sowohl politisch als auch theologisch von den Mongolen entscheidende Einflüsse erfahren. Hier wie dort haben die Missionare die gleiche Methode angewandt und die vorbuddhistischen Glaubensvorstellungen weitgehend in das Gebäude der neuen Religion einbezogen. Die alten Religionen Tibets und der Mongolei, die sich in vielem gleichen, vermochten bis heute zu überleben, sei es innerhalb oder außerhalb des Buddhismus.
Im ersten Teil des Buches (Seiten 1 bis 291) behandelt der Tibetologe Giuseppe Tucci, Direktor des Istituto Italiano per il Medio ed Estremo Oriente, Rom, zunächst kurz die Geschichte des Buddhismus in Tibet. Die folgende Darstellung der Lehren des Lamaismus darf ganz besondere Aufmerksamkeit beanspruchen, da in ihr erstmalig ein umfassender Überblick über die Lehrsysteme aller bedeutenden Schulen des tibetischen Buddhismus gegeben wird. Die soziologischen Aspekte werden in dem Abschnitt über das Mönchtum und die religiösen Feste deutlich. Wie wenig Einfluss der Mönchsbuddhismus auf das einfache Volk hat, zeigt das Kapitel über die Volksreligion, die wie in vorbuddhistischer Zeit weiterhin die wichtigsten religiösen Bedürfnisse befriedigt und Schutz gegen die umgebenden Mächte bietet. Abschließend wird das System jener alten Religion beschrieben, die nicht wie die einfache Volksreligion in Harmonie mit dem Buddhismus weiterlebt, sondern die prä-buddhistischen Glaubenslehren in bewusstem Gegensatz zum Buddhismus in ein System gefasst und eine eigene Klosterorganisation entwickelt hat: die Bon-Religion.
Im zweiten Teil des Buches (Seiten 292 bis 426) unternimmt es der Mongolist Walther Heissig, Direktor des Seminars für Sprach- und Kulturwissenschaft Zentralasiens der Universität Bonn, die nichtlamaistischen „volksreligiösen“ Glaubensformen in der Mongolei und ihre Beziehungen einerseits zum Schamanismus und andererseits zu dem ihnen im 16.-18. Jahrhundert aufgezwungenen tibetischen Buddhismus darzustellen. Dabei wird dieser Versuch durch die Aussagen von schriftlich und mündlich tradierten Gebeten belegt, die sich auf den Kult des „Ewigen Himmels“, seiner Bewohner (Ingri), des Ahnherrn Dschingis Khan, den Feuerkult, die Verehrung des „Weißen Alten“, die Sternanbetung und den Kult verschiedener Reitergottheiten beziehen und die hier in Auszügen größtenteils zum erstenmal aus dem Mongolischen übersetzt sind.
– Antiquarisches Exemplar, Buch sehr gut, der Schutzumschlag zeigt Gebrauchsspuren –

448 Seiten, geb. Leinen mit Schutzumschlag, mit zahlr. sw-Zeichnungen im Text, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1970, Format 16 x 23,5 cm